Aufträge im Internet finden ist für Handwerksbetriebe und Dienstleister heute kein Zufall mehr, sondern eine Frage der richtigen Kanäle: Kunden suchen per Smartphone nach einem Betrieb in der Nähe, lesen Bewertungen, vergleichen Profile und schreiben dem ersten, der überzeugend und schnell antwortet. Die wichtigsten Wege sind eine eigene Website, ein gepflegtes Google-Unternehmensprofil, Auftragsportale und Marktplätze, öffentliche Ausschreibungen sowie Empfehlungen und Bewertungen.
Welcher Weg sich für dich lohnt, hängt von deinem Gewerk, deiner Region und deinen Kapazitäten ab. Dieser Ratgeber zeigt die Optionen mit ihren Vor- und Nachteilen und gibt dir Tipps, wie aus einer Anfrage tatsächlich ein Auftrag wird.
Eigene Website: die digitale Visitenkarte
Eine eigene Website ist die Basis. Selbst wenn ein Kunde dich über ein Portal oder eine Empfehlung findet, schaut er oft noch kurz auf deiner Seite vorbei. Sie muss nicht aufwendig sein, sollte aber auf dem Smartphone gut funktionieren und schnell laden.
- klare Aussage, was du anbietest und in welchem Gebiet
- Telefonnummer und Kontaktformular gut sichtbar
- echte Fotos von Projekten und Team statt Stockbildern
- Qualifikationen wie Meisterbrief oder Fachbetriebszertifizierungen
- vollständiges Impressum und Datenschutzerklärung
Eine Website bringt allein selten viele Anfragen, weil sie in der Suche erst gefunden werden muss. Ihre Stärke liegt darin, Vertrauen aufzubauen und die anderen Kanäle zu unterstützen.
Google-Unternehmensprofil: kostenlos und sehr wirksam
Wer nach Elektriker, Malerbetrieb oder Reinigungsfirma in der Nähe sucht, sieht zuerst die Karte mit lokalen Einträgen. Das kostenlose Google-Unternehmensprofil ist deshalb für lokale Betriebe einer der wichtigsten Kanäle.
- Kategorie und Leistungen präzise auswählen
- Einzugsgebiet und Öffnungszeiten aktuell halten
- regelmäßig Fotos von abgeschlossenen Projekten hochladen
- Kunden nach erledigtem Auftrag aktiv um eine Bewertung bitten
- auf jede Bewertung sachlich antworten, auch auf kritische
Gekaufte oder selbst verfasste Bewertungen sind tabu. Sie verstoßen gegen die Richtlinien der Plattformen und können wettbewerbsrechtlich abgemahnt werden.
Auftragsportale und Marktplätze
Auf Auftragsportalen stellen Privat- und Geschäftskunden konkrete Aufträge ein, Betriebe melden sich darauf. Das ist praktisch, weil der Bedarf schon da ist und du nicht erst Aufmerksamkeit erzeugen musst. Die Modelle unterscheiden sich allerdings stark.
Lead-Kauf
Bei manchen Portalen bezahlst du für jede Kundenanfrage, die du freischaltest, unabhängig davon, ob daraus ein Auftrag wird. Oft wird dieselbe Anfrage an mehrere Betriebe verkauft. Vorteil: Du zahlst nur für Kontakte. Nachteil: Die Kosten pro gewonnenem Auftrag können hoch werden, wenn viele Anfragen nicht konkret sind oder der Kunde sich für einen Mitbewerber entscheidet.
Provision auf den Auftrag
Andere Plattformen verlangen einen Prozentsatz vom Auftragswert. Das Risiko ist geringer, weil du nur bei Erfolg zahlst, bei großen Aufträgen kann die Provision aber spürbar sein.
Abo oder Grundgebühr
Bei Abo-Modellen zahlst du einen festen Monatsbetrag und kannst auf beliebig viele Aufträge reagieren. Das ist gut kalkulierbar und lohnt sich, wenn du regelmäßig Kapazitäten hast.
| Modell | Vorteil | Nachteil |
|---|---|---|
| Lead-Kauf | Kosten nur pro Kontakt | Anfrage oft mehrfach verkauft, keine Erfolgsgarantie |
| Provision | Zahlung nur bei Auftrag | bei großen Aufträgen teuer, Abrechnung über Plattform |
| Abo/Grundgebühr | planbare Kosten, unbegrenzt reagieren | fixe Kosten auch in ruhigen Monaten |
Prüfe vor der Anmeldung, wie viele passende Aufträge es in deiner Region gibt, wie gut die Anfragen beschrieben sind und ob du direkt mit dem Kunden kommunizieren kannst. Auf ardda siehst du zum Beispiel offene Aufträge aus deiner Region und kannst dich direkt auf passende Anfragen melden.
Öffentliche Ausschreibungen
Bund, Länder, Kommunen und öffentliche Einrichtungen vergeben laufend Aufträge, von der Schulsanierung über die Gebäudereinigung bis zur Grünflächenpflege. Diese werden auf Vergabeplattformen veröffentlicht, etwa auf dem Bekanntmachungsservice von service.bund.de oder auf den Plattformen der Länder und Kommunen.
Vorteile sind verlässliche Zahlungsmoral und oft größere Volumen. Dafür ist der formale Aufwand hoch: Angebotsunterlagen müssen vollständig und fristgerecht eingereicht werden, meist elektronisch, Nachweise wie Eignung, Referenzen und Versicherungen sind Pflicht, und schon kleine Formfehler können zum Ausschluss führen. Für den Einstieg eignen sich kleinere Vergaben unterhalb der EU-Schwellenwerte, etwa beschränkte Ausschreibungen oder Verhandlungsvergaben in deiner Kommune.
Empfehlungen und Bewertungen
Zufriedene Kunden sind nach wie vor eine der wichtigsten Quellen für neue Aufträge, und online wirkt ihre Empfehlung noch weiter. Bitte nach jedem gelungenen Projekt aktiv um eine Bewertung auf Google oder deinem Firmenprofil. Am besten funktioniert das, wenn du direkt nach Abschluss einen Link schickst.
Auch Kooperationen bringen Aufträge: Ein Maler arbeitet häufig mit Trockenbauern, Bodenlegern oder Elektrikern zusammen. Wer sich gegenseitig empfiehlt, profitiert beidseitig. Wie du dein Firmenprofil so aufbaust, dass es überzeugt, liest du im Ratgeber Neue Kunden gewinnen mit einem starken Firmenprofil.
Social Media
Instagram, Facebook und zunehmend auch kurze Videos auf anderen Plattformen eignen sich vor allem, um Arbeit sichtbar zu machen: Vorher-nachher-Bilder, kurze Einblicke in die Baustelle, das Team bei der Arbeit. Direkte Aufträge kommen darüber seltener, aber es stärkt deine Bekanntheit in der Region und hilft bei der Mitarbeitersuche.
Wichtig ist Regelmäßigkeit statt Perfektion. Lieber ein ehrlicher Beitrag pro Woche als eine aufwendige Kampagne, die nach einem Monat einschläft. Achte darauf, dass Kunden mit Fotos ihrer Wohnung einverstanden sind.
Anfragen schnell in Aufträge verwandeln
Die beste Sichtbarkeit nützt wenig, wenn Anfragen liegen bleiben. Kunden fragen häufig bei mehreren Betrieben gleichzeitig an und entscheiden sich oft für den, der schnell, freundlich und konkret antwortet.
- Anfragen möglichst am selben Tag beantworten, auch wenn es nur eine Eingangsbestätigung mit Terminvorschlag ist
- gezielt nachfragen: Maße, Fotos, Zeitraum, Zugang
- Besichtigung oder Aufmaß zeitnah anbieten
- Angebot übersichtlich, mit klaren Positionen und Gültigkeit schicken
- nach einigen Tagen freundlich nachfassen
Ein professionelles Angebot macht oft den Unterschied. Tipps dazu findest du in den Ratgebern Angebot schreiben im Handwerk und Aufmaß richtig erstellen.
Welcher Kanal passt zu deinem Betrieb?
Nicht jeder Weg lohnt sich für jeden Betrieb gleichermaßen. Ein Ein-Mann-Betrieb mit vollem Kalender braucht andere Kanäle als ein wachsender Betrieb, der neue Mitarbeiter auslasten muss. Ein paar Orientierungspunkte:
- Wenig Zeit für Marketing: Konzentriere dich auf ein gepflegtes Google-Unternehmensprofil, ein Firmenprofil auf einer Auftragsplattform und konsequentes Einholen von Bewertungen.
- Freie Kapazitäten kurzfristig füllen: Auftragsportale und Marktplätze bringen am schnellsten konkrete Anfragen.
- Planbare, größere Volumen: Öffentliche Ausschreibungen und Rahmenverträge mit Gewerbekunden, etwa in der Gebäudereinigung oder Hausmeisterei.
- Langfristige Marke in der Region: eigene Website, Social Media und Kooperationen mit anderen Gewerken.
Wichtig ist, dass du misst, woher deine Aufträge kommen. Frag neue Kunden kurz, wie sie auf dich aufmerksam geworden sind, und notiere es in deiner Kundenverwaltung. Nach einigen Monaten siehst du, welche Kanäle sich rechnen und wo du Zeit oder Geld sparen kannst. Ebenso wichtig: Nimm nur so viele Aufträge an, wie du zuverlässig erledigen kannst. Verschobene Termine und lange Wartezeiten führen schnell zu schlechten Bewertungen, die neue Anfragen kosten.
So hilft dir ardda
Auf ardda siehst du offene Aufträge von Privat- und Geschäftskunden aus deiner Region und präsentierst deinen Betrieb mit einem eigenen Firmenprofil. Angebote, Aufmaß, Termine und Rechnungen erstellst du direkt in der Branchensoftware, sodass aus einer Anfrage schnell ein sauberes Angebot wird. Mehr dazu auf der Seite Software für Betriebe.
Häufige Fragen
Welcher Online-Kanal bringt kleinen Betrieben am schnellsten Aufträge?
Für lokale Handwerker und Dienstleister sind meist das Google-Unternehmensprofil und Auftragsportale die schnellsten Wege, weil dort bereits Kunden mit konkretem Bedarf suchen. Eine eigene Website und Social Media brauchen länger, bis sie Wirkung zeigen, stärken aber das Vertrauen. Sinnvoll ist eine Kombination, bei der alle Kanäle auf dieselben Kontaktdaten und Projektbeispiele verweisen.
Lohnt sich der Kauf von Leads für Handwerker?
Das hängt von der Qualität der Anfragen und der Abschlussquote ab. Rechne nach, wie viele gekaufte Kontakte du im Schnitt brauchst, um einen Auftrag zu gewinnen, und was dich dieser Auftrag damit kostet. Wird eine Anfrage an viele Betriebe gleichzeitig verkauft, sinkt die Chance. Teste ein Portal zunächst über einige Wochen und werte die Ergebnisse ehrlich aus.
Brauche ich für öffentliche Ausschreibungen eine besondere Zulassung?
Eine generelle Zulassung ist nicht nötig, du musst aber deine Eignung nachweisen. Häufig verlangt werden Handwerksrolleneintrag oder Gewerbeanmeldung, Unbedenklichkeitsbescheinigungen von Finanzamt und Krankenkassen, Versicherungsnachweise und Referenzen. Eine Präqualifizierung, etwa über das PQ-Verzeichnis für Bauleistungen, kann diesen Aufwand verringern, weil die Nachweise dann zentral hinterlegt sind.
Wie gehe ich mit einer negativen Online-Bewertung um?
Antworte sachlich, freundlich und zeitnah. Bedanke dich für das Feedback, schildere kurz deine Sicht und biete ein Gespräch an. Mögliche Kunden lesen die Antworten mit und achten darauf, wie du mit Kritik umgehst. Enthält eine Bewertung nachweislich falsche Tatsachen oder stammt sie nicht von einem echten Kunden, kannst du sie bei der Plattform melden und die Entfernung beantragen.



